Pace Reload in Bestform

BÜCKEBURG. Texas, das liegt eigentlich ganz im Süden der USA, dort wo der Rio Grande, der Rio Pecos, der Red River und der Colorado River fließen, die Colts so locker sitzen wie die Korken auf den Whiskey-Flaschen und der Wind den Staub des Llano Estacado aufwirbelt. Manchmal jedoch liegt Texas auch direkt in Bückeburg jenseits des Bahnhofs. Dann beispielsweise, wenn eine Band wie Pace Reload mit ihrem elektrisierenden Southern Rock die dort gelegene Schraub-Bar aufmischt.

Womit die Veranstalter erneut ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Bands bewiesen hatten, denn das Trio aus dem Sauerland versetzte nicht nur die Köpfe der überaus zahlreich anwesenden „Kuttenträger“ in inbrünstig-rhythmisches Headbangen.

Dass Pace Reload als Trio unterwegs sind, kann in diesem Zusammenhang besonders betont werden. Denn bis vor vier Jahren waren die Sauerländer noch als Quartett aufgestellt und genossen unter dem Namen Moderate Pace in der europäischen Bluesrock- und Bikerszene einen Ruf wie Donnerhall, nicht nur durch ihr Album „Gasoline“. Nachdem Frontmann „Butcher“ die Band 2013 verließ, luden die verbliebener Pacer Dennis Koßmann (Gitarre), Chris Meier (Bass) und André Schneider (Schlagzeug) den Tank erneut mit einer satten Treibladung erdiger Grooves und stampfendem Bluesrock, um als Trio auf den musikalischen Pfaden von Molly Hatchet und Lynyrd Skynyrd weiter zu wandeln. Was sie unter anderem auf die Bühne beim größten schwedischen Motorradfestival brachte sowie zusammen mit den Kult-Texas-Bärten ZZ Top zum Open-Air an der Bonner Kunsthalle.

Mit dem Auditorium eines ZZ-Top-Konzerts kann die Schraub-Bar zwar nicht mithalten, doch auch hier sorgten die drei Sauerländer mit ihrer schweißtreibenden Show aus Southern und Blues-Rock der Marke kernig und ehrlich für eine „volle Hütte“.

Wobei sich im Publikum bei Weitem nicht nur Träger der für dieses musikalische Genre so typischen Leder- und Nietenträger tummelten, sondern auch auffällig viele junge und weibliche Zuhörer. Womit einmal mehr bewiesen sein dürfte, dass Bluesrock der Marke ZZ Top, Lynyrd Skynyrd oder The Allman Brothers Band zwar alt sein mag, aber keinesfalls altbacken.